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Traumatische Läsionen peripherer Nerven

Eine Teil- oder komplette Durchtrennung eines Nervs führt abhängig von ihrer Lokalisation zu einer sofortigen Funktionseinschränkung, in der Regel zu einer Schwäche der Muskulatur, begleitet von einer Gefühlsstörung der Haut.

Grundsätzlich muss hier zwischen einer offenen Verletzung mit einem glatt durchtrennten Nerv (Rasierklinge, Messer oder Schere) und der Läsion eines Nervs durch ein stumpfes Trauma unterschieden werden.

Im eher seltenen Fall einer glatten Nervendurchtrennung sollte, sofern Begleitverletzungen (z.B. Gefäßverletzung) nicht dagegen sprechen, primär –innerhalb einer Woche – mittels einer End- zu-End-Naht koaptiert werden.

Weitaus häufiger entstehen Nervenläsionen allerdings durch ein stumpfes Trauma. Dabei gilt es zunächst möglichst zügig schwere Nervenverletzungen (Durchtrennung, starker Dehnungsschaden) von leichten Verletzungen mit dem Potential zu einer spontanen Funktionserholung zu unterscheiden. Bei Verletzungen von Extremitätennerven hat dafür die hochauflösende Ultraschallbildgebung  mittlerweile einen hohen Stellenwert erlangt. Bei Nachweis einer schweren Schädigung bzw. Durchtrennung eines Nervs sollte ohne weitere Zeitverzögerung ein rekonstruktiver Eingriff durchgeführt werden. Sprechen der Unfallmechanismus, das klinische Bild und die apparativen Untersuchungen eher für ein leichtes Schädigungsmuster, wird in der Regel bis zum dritten Monat nach dem Unfall abgewartet, um eine Spontanerholung des Nervs beobachten zu können. In diesen Fällen ist in der Regel ein chirurgischer Eingriff nicht erforderlich. Bei ausbleibender Spontanerholung sollte möglichst zügig ein rekonstruktiver Nerveneingriff geplant werden. In der Regel wird zunächst bis zum dritten Monat nach der Verletzung abgewartet. Sollten keine Zeichen einer Funktionsrückkehr vorliegen, sollte die Operation unmittelbar erfolgen.

Durchtrennter N. accessorius  (am Hals) nach einer Lymphknotenentfernung (iatrogene Nervenverletzung) (Bild 10)

Rekonstruktion des N. accessorius mit einem Interponat. Das Interponat wurde aus einem Hautnerv vom Unterschenkel des Patienten entnommen (autologe Nerventransplantation) (Bild 11)

Bibliographie: Nervenchirurgie. Kretschmer, Antoniadis, Assmus (Hrsg.) 2014, Springer Verlag

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