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Endoskopische Schädelbasischirurgie

Operationen von Schädelbasistumoren stellen eine besondere Herausforderung für den Neurochirurgen dar. Diese, meist gutartigen Tumoren wachsen an der Unterseite des Gehirns und sind teilweise über konventionelle Zugangswege nur schwer oder mit hohen Risiken zu erreichen. 

In den letzten Jahren werden vermehrt endoskopische Techniken in der Schädelbasischirurgie eingesetzt. Durch den Einsatz der Endoskopie lassen sich Tumoren der Schädelbasis häufig durch die Nase entfernen. Diese aufwendige Operationstechnik erfordert allerdings nicht nur Erfahrung auf dem Gebiet der Neurochirurgie, sondern auch eine Expertise auf dem Gebiet der Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie. Aus diesem Grunde werden diese Eingriffe in einer jahrelang etablierten interdisziplinären Zusammenarbeit mit der Klinik für Hals-Nasen-Ohren der Universität Ulm durchgeführt. Die Neurochirurgische Klinik hat durch ihre hervorragende technische Ausstattung mit Neuronavigation und intraoperativen Bildgebung die optimalen Voraussetzungen für die Behandlung dieser komplexen Erkrankungen. 


Fallbeispiel

Präoperative Kernspintomographie eines großen Tumors (Chordom) der zentralen Schädelbasis (Clivus) mit ausgeprägter Raumforderungswirkung auf den Hirnstamm (Links sagittales Bild: Tumor mit blauem Pfeil gekennzeichnet, ausgeprägte Raumforderung auf den Hirnstamm, Rechts axiales Bild: Tumor in türkis umrandet) (Bild1).

Postoperative Kernspintomographie nach interdisziplinär endoskopischer Resektion des Tumors durch die Nase (transnasal). Dabei Nachweis der Tumorresektion, Rückverlagerung des Hirnstammes (blauer Pfeil) (Bild2)

Bild 1
Bild 2


Die knöcherne Basis des Schädels trägt das Gehirn und ist eine höchst komplexe Struktur mit vielen Öffnungen (sog. Foramina), welche den Durchtritt von Nerven oder Gefäßen erlauben. Verschiedene krankhafte Veränderungen, insbesondere Tumoren, aber auch Unfallfolgen (z.B. Knochenbrüche der Schädelbasis) können chirurgische Eingriffe an der Schädelbasis erforderlich machen. Bedingt durch ihre Komplexität  werden insbesondere die Tumoren der Schädelbasis in enger, jahrelang etablierter Zusammenarbeit mit der Klinik für Hals-Nasen-Ohren der Universität Ulm durchgeführt.

Mögliche Raumforderungen an der Schädelbasis:

Vestibularisschwannom

Meningeome der Schädelbasis (z.B. petroklivales Meningeom)

Glomus jugulare Tumoren

Chordome

 

 

 

Vestibularisschwannom (Akustikusneurinom)

Schwannome, auch Neurinome genannt, sind gutartige Nerventumoren, die von den Schwann´schen Zellen ausgehen. Diese Raumforderungen können am N. vestibulocochlearis (VIII. Hirnnerv) und damit an der Schädelbasis auftreten. Die Patienten bemerken häufig ein Ohrgeräusch oder leiden an einer einseitigen Hörminderung. Eine Schwindelsymptomatik kann ebenso auftreten. Trotz der engen Beziehung zu weiteren Hirnnerven (V., VII.) sind Trigeminusschmerzen oder Faszialislähmungen selten. Größere Vestibularisschwannome können jedoch auf den Hirnstamm drücken und letztendlich zu einem Hirnnervenwasseraufstau (Hydrocephalus) führen. Beidseitige Vestibularisschwannome sind mit der   Neurofibromatose II vergesellschaftet. Diese Form der Erkrankung kann trotz operativer Resektion zur Ertaubung führen, so dass der Einsatz eines Hirnstammimplantates erforderlich ist.

Diese Eingriffe werden in unserer Klinik über einen retrosigmoidalen transmeatalen Zugang (gerader Schnitt hinter der Ohrmuschel) unter intraoperativen Monitoring der Hirnnerven durchgeführt. Die Entfernung der Geschwulst unter Erhalt der Funktionalität v.a. des Hörens und der Gesichtsmimik (VII.) ist von enormer Wichtigkeit.

 

 

 

Petroklivale Meningeome

Auch diese Raumforderungen sind prinzipiell gutartig. Die Patienten haben in der Regel geringe neurologische Störungen, so dass die Indikation zur operativen Entfernung sehr restriktiv gestellt werden mus (Alter, Vorerkrankungen, Tumorgröße).

Trotz der modernen intraoperativen Techniken und des  multimodalen Monitorings, sind die intra- und postoperativen Komplikationsraten deutlich höher anzusiedeln als bei den anderen Schädelbasismenigeomen (Felsenbein-, Keilbeinflügel-, Frontobasismeningeomen).

 

 

 

Glomus jugulare Tumoren

Glomus jugulare Tumore sind gutartige Raumforderungen an der Schädelbasis, die langsam wachsen, jedoch aufgrund ihrer Lokalisation können sie schwerwiegende neurologische Ausfälle hervorrufen. Bei einer 10 Jahres Mortalität von 35%, ist die chirurgische Resektion, die bisher einzige Behandlungsoption. Diese chirurgische Maßnahmen führen wir gemeinsam mit den Kollegen der HNO-Klinik der Universität Ulm durch. Zuvor jedoch erhalten alle Patienten eine Gefäßdarstellung (digitale Subtraktionsangiographie) mit anschließendem Verschluss der Tumorzuführenden Gefäßäste (Embolisation).