Schmerz

Wenn konservative Therapiemaßnahmen wie Medikamente, Physiotherapie, Psychotherapie an ihre Grenzen stoßen oder die Nebenwirkungen zu umfangreich und störend sind, ist es uns mittlerweile möglich für verschiedene Krankheitsbilder auch neurochirurgisch Optionen zur Verminderung der Schmerzsymptomatik anbieten zu können und die Lebensqualität wieder zu erhöhen.

Im Rahmen unserer Schmerz-Sprechstunde können wir die verschiedenen Möglichkeiten darlegen, Ursachen abklären und Behandlungsregime besprechen.

Zusätzlich haben wir eine interdisziplinäre Schmerzkonferenz (verschiedene medizinische Abteilungen übergreifend), so dass wir die Möglichkeit haben das optimale Behandlungsmuster für den jeweiligen Patienten mit seinem individuellen Problemen zu entwickeln.

 

Schmerz-Sprechstunde:

dienstags von 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr

OÄ Dr. Ute Bäzner sowie  Andreas Knoll

Telefon: +49 8221 96-22504 (Sekretariat Frau Monika Deininger)

 

Im Folgenden werden die von uns angebotenen Therapieverfahren erläutert, mit Hilfe von Bildmaterial demonstriert und die jeweils dadurch behandelbaren Schmerzerkrankungen genannt.

  • Epidurale Rückenmarkstimulation (spinal cord stimulation = SCS)
  • Periphere Nervenstimulation (peripheral nerve stimulation = PNS)
  • Intrathekale Medikamentenapplikation mittels implantierbaren Pumpen-Kathetersystemen

Therapieverfahren bei Trigeminusneuralgie (Thermokoagulation/Glycerinrhizolyse des Ganglion Gasseri, mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta)

 

 

 

Epidurale Rückenmarkstimulation (spinal cord stimulation = SCS)

Die Epidurale Rückenmarkstimulation (engl.: spinal cord stimulation = SCS) beinhaltet das Einbringen von Elektroden auf die Rückenmarkhaut und die Gabe von Strom über die Elektrodenkontakte. Dadurch wird der Hinterstrang des Rückenmarks stimuliert. Impulsdauer, Frequenz und Stromstärke können über ein externes Programmiergerät eingestellt und angepasst werden. Der Patient bemerkt ein angenehmes Kribbelgefühl, welches je nach Elektrodenlage in Arme oder Beine ausstrahlt und das Schmerzgebiet überdecken soll. Dieses Verfahren existiert bereits seit vielen Jahren und wird allein in Deutschland mehr als 1500/Jahr durchgeführt.


Haupteinsatzgebiete:

- Chronischer Rücken-/Beinschmerz

- Komplex-regionales Schmerzsyndrom (CRPS)

- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

- Therapierefraktäre Angina pectoris

 

Entscheidet man sich miteinander für diese Methode, erfolgt zunächst eine Testphase, bei der die Elektrode in Lokalanästhesie gelegt wird und der Patient zunächst stationär (ca. 3 Tage) in die Handhabung eingewiesen wird und die  Stimulation unter stationären Bedingungen testen und variieren kann. Danach geht man für eine Woche nach Hause, um unter den häuslichen Bedingungen überprüfen zu können, in wie weit man von dem Verfahren profitiert und zufrieden ist.

Entschließt man sich zur dauerhaften Implantation wird in Vollnarkose der Stimulator/Schrittmacher unter die Haut gelegt, ansonsten wird die Elektrode ambulant entfernt.

Der Stimulator kann vom Arzt und Patienten durch die Haut telemetrisch bedient und angepasst werden. Da diese Neurostimulatoren batteriebetrieben sind, muss nach einigen Jahren ein Austausch des Impulsgebers bei Batterieerschöpfung durchgeführt werden (je nach Stromverbrauch und Typ des Neurostimulators alle 2 max. 9 Jahre). Dies erfolgt ambulant.

 

 

 

Periphere Nervenstimulation (peripheral nerve stimulation = PNS)

Bei der peripheren Nervenstimulation werden entweder Nerven direkt stimuliert oder Elektroden in das Unterhautgewebe (subkutane periphere Nervenfeldstimulation) eingebracht.

Das Haupteinsatzgebiet dieser Methode stellen Schmerzsyndrome dar, welche sich im Verlauf des Ausbreitungsgebietes projizieren. Dies kann nach Entzündungen, Operationen, Unfällen oder ohne erkennbare Ursache einer Nervenbeteiligung der Fall sein.

- Schmerzen nach Verletzungen peripherer Nerven

- Schmerzen nach Leistenbruch-Operationen

- Chronische Rückenschmerzen

- Occipitalisneuralgie

 

Ebenso wie bei anderen neuromodulativen Verfahren wird zunächst die Elektrode implantiert und anschließend eine Testphase durchgeführt um den Effekt der Maßnahme zu beurteilen.

 

 

 

 

Intrathekale Medikamentenapplikation mittels implantierbaren Pumpen-/Kathetersystemen

Kann mit Tabletten oder Wirkstoffpflastern keine ausreichende Wirkung bezüglich der Schmerzabdeckung oder einer Spastikreduktion mehr erzielt werden oder die Nebenwirkungen sind zu groß, kann den betreffenden Patienten angeboten werden, eine Medikamentenpumpe zu implantieren.

Als Voraussetzung ist zu nennen, dass zuvor in einer Testphase die zu erwartende Wirksamkeit in ausreichendem Umfang festgestellt wurde. Hierzu wurden vollimplantierbare Medikamentenpumpen entwickelt. Ein Grund und auch ein Vorteil der Gabe von Medikamenten in das Nervenwasser ist die deutlich niedrige Dosis des Medikaments, da eine direkte Wirkung an den Rezeptoren des Rückenmarks /des Gehirns stattfindet und die sogenannte Blut-Hirn-Schranke nicht überwunden werden muss.

Die Pumpe wird unter die Haut in der Bauchwand implantiert. Der Wirkstoff wird dann kontinuierlich über einen dünnen Katheter, der in den Rückenmarkskanal eingelegt wird, direkt in das Nervenwasser abgegeben. Alle Medikamentenpumpen besitzen ein Reservoir, welches durch die Haut mit einer Spezialnadel angestochen und in regelmäßigen Abständen (alle 4 bis 16 Wochen) wiederbefüllt werden kann. Bei manchen Pumpentypen besteht die Möglichkeit, mit Hilfe eines Programmiergerätes die Tagesosis individuell zu variieren.

 

Hauptindikationen:

SCHMERZ

  • Chronische Rückenschmerzen nach Wirbelsäulen-Operation (Failed back surgery Syndrom)
  • Tumorschmerzen mit steigendem Bedarf an Morphium oder Opioiden und einer Lebenserwartung über 3 Monaten
  • Nicht-Tumorschmerzen mit ebenso steigendem Morphium- oder Opioidbedarf
  • Jegliche chronische Schmerzen, welche durch die orale, transdermale oder sonstige Gabe von Medikamenten nicht beherrschbar sind

 

SPASTIK

Spastik nach Verletzungen des Rückenmarks oder des Gehirns (Querschnitt, Schädel-Hirn-Trauma, Encephalitis disseminata, ...)

 

 

 

 

Therapieverfahren bei Trigeminusneuralgie (Thermokoagulation / Glycerinrhizolyse des Ganglion Gasseri, mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta

Als Trigeminus-Neuralgie werden einseitige blitz- bzw. attackenartig einschießende Gesichtsschmerzen im Stirn-, Wangen-, Kieferbereich und somit im Versorgungsgebiet des Nervus trigeminus bezeichnet.

Versagt die konservative Therapie (Medikamente, multimodale Schmerztherapie, etc.), sollten operative Behandlungsmethoden zur effektiven Schmerzlinderung in Betracht gezogen werden.

 

Mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta:

Bei dieser Operation wird das Gefäß, welches den Gesichtsnerven durch seine Pulsationen reizt und zu den typischen Gesichtsschmerzen führt, mit einem Interponat abgepolstert. Die Schmerzfreiheit liegt nach OP mit 80 bis 90% sehr hoch. Bei regelrechtem Verlauf beträgt der stationäre Aufenthalt ca. 10 Tage.

Ist diese Operation aus verschiedenen Gründen (Lebenslater des Patienten, Encephalitis disseminata, erhöhtes Narkose-/OP-Risiko, ...) nicht möglich, können sogenannte läsionelle, d. h. den Nerven schädigende Eingriffe, durchgeführt werden. Hierbei wird mit einer Nadel in Kurznarkose der Nervenknoten an der Schädelbasis (Ganglion Gasseri) punktiert und eine Läsion mittels Hitze oder Glycerin gesetzt. Die Langzeitwirkung dieser Methode ist kürzer, kann aber ggf. mehrfach wiederholt werden.