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Stereotaktische / Funktionelle Neurochirurgie

Die Stereotaxie (griech.: stereòs "starr" und táxis "Anordnung") bezeichnet Verfahren, bei denen sich der Kopf des Patienten in einem fixierten Rahmen befindet. Mit dessen Hilfe wird ein Koordinatensystem aufgebaut und es können dadurch mit höchster Genauigkeit und Sicherheit für den Patienten Zielpunkte im Gehirn angesteuert werden. Tief gelegene und inoperable Raumforderung können mit diesem Verfahren punktiert und Biopsien/Gewebeproben entnommen werden, um die Diagnose zu sichern und passende Therapien einleiten zu können.

Die Funktionelle Neurochirurgie hat zum Ziel, durch den Einsatz von Neuroimplantaten fehlerhafte Hirnaktivität zu modulieren und dadurch eine Funktionswiederherstellung bei verschiedenen Krankheitsbildern (insbesondere Bewegungsstörungen und Schmerzzuständen) zu erreichen - wenn diese durch Medikamente nicht ausreichend behandelt werden können.

Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der neurologischen Abteilung der Universität Ulm am RKU (Sprechstunde für Bewegungsstörungen) - die Operationen erfolgen in Kooperation mit den dort behandelnden Ärzten Prof. Dr. J. Kassubek und PD Dr. E. Pinkhardt.

Sprechstunde für Funktionelle Neurochirurgie:

OÄ Frau Dr. Ute Bäzner
Telefon: +49 8221 96-2234

Tiefe Hirnstimulation (DBS)

Die Tiefe Hirnstimulation ist eine von mehreren Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson, Dystonie oder Tremor. 

Sie wird dann durchgeführt, wenn die medikamentöse Behandlung nicht oder nicht mehr ausreichend ist und erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Neurologen und Neurochirurgen. Nicht alle Patienten kommen für diese Therapieform in Frage. Die Entscheidung wird in einem sorgfältigen Untersuchungsprogramm getroffen. Die Tiefe Hirnstimulation kann die erkrankungen nicht heilen, kann aber eine deutliche Linderung der Symptome bewirken.

Die Implantationen der Elektroden wird dann in lokaler Betäubung durchgeführt, um den Stimulationseffekt sowie eventuelle Nebenwirkungen direkt beurteilen zu können. 

Bei der Tiefen Hirnstimulation wird ein kleines Bohrloch, je nach Symptomausprägung in einer oder beiden Hirnhälften angelegt. Mit Hilfe eines stereotaktischen Rahmens, der um den Kopf des Patienten gespannt wird und hohe Zielgenauigkeit garantiert, wird dann je eine Elektrode in die Bohrlöcher eingeführt. Der genaue Zeitpunkt wird zuvor durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) festgelegt.

Nach Einführen der Elektroden werden über ein Testsimulationsgerät elektrische Signale abgegeben und die damit zusammenhängenden Effekte vom behandelnden Neurologen begutachtet und optimiert. Bei Patienten mit Morbus Parkinson wird dieser erste Teil der Operation meist unter örtlicher Betäubung durchgeführt, was den Vorteil der Mitarbeit des Patienten beim Finden der optimalen Elektrodenposition bietet. Ist die optimale Stimulationsposition gefunden, werden die Elektroden unter Röntgenkontrolle endgültig platziert. In einem zweiten Schritt wird dann in Vollnarkose der Hirnschrittmacher unterhalb des Schlüsselbeins implantiert.

Meist ist nach 3 bis 5 Jahren ein Austausch des Schrittmachers aufgrund Batterieerschöpfung notwendig. Dies kann ambulant erfolgen, da nur ein kleiner Hautschnitt am Schlüsselbein erforderlich ist.

Die Tiefe Hirnstimulation ist ein operatives Verfahren, bei dem mit Hilfe der stereotaktischen Technik Elektroden in verschiedene Zielgebiete des Gehirns millimetergenau platziert werden. Diese werden dann mit einem Impulsgeber/Stimlator verbunden.

Diesen Stimulator (ähnlich einem Herzschrittmacher unter der Haut gelegen) kann der Patient mit einer Art Fernbedienung von außen auswählen und damit selbständig ein- und ausschalten.

Die Eingriffe erfolgen meist in örtlicher Betäubung, der Patient ist aber über mehrere Tage stationär, um in die Bedienung des Stimulators eingewiesen zu werden bzw. die optimalen Stimulationsparameter zu programmieren, um das bestmöglichste Ergebnis erreichen zu können.

Das OP-Risiko ist mit unter 3% als sehr niedrig einzustufen.

Die Planung des Zielpunktes sowie des Elektrodenverlaufs erfolgt anhand spezieller stereotaktischer MR-Bilder.

Das Verfahren wird seit dem Jahr 2001 in unserer Klinik routinemäßig durchgeführt.