Tumoren der Wirbelsäule

Tumoren, die die Wirbelsäule betreffen können die Stabilität des Achsenskelettes beeinträchtigen. Sie gehen mit Schmerzen und mit mehr oder weniger schnell eintretenden Lähmungserscheinungen einher. Die Operation dient der Artdiagnose, der Schmerzbeeinflussung, der Wiederherstellung der Funktion und der Stabilität der Wirbelsäule.

Die Tumorursache und Herkunft ist an viele Faktoren geknüpft. Die Therapie endet nicht mit der Operation.
Eine umfassende Behandlung nach der Operation erfolgt in enger Zusammenarbeit mit sämtlichen Fachabteilungen der Universitätsklinik Ulm, die sich der Behandlung sowie der Erforschung von Geschwulstkrankheiten aller Art widmen. Die etablierte und zertifizierte Institution nennt sich Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU).

Als Notfalldiagnostik bei akuten Lähmungen dient die Computertomographie (CT), auf die 24-h-Zugriff besteht. Zur bildmorphologischen Einordung und/oder Operationsplanung der Geschwulst ist die Erkenntnis ihres Bezuges zum umliegenden Gewebe wichtig. Weiterführend und obligat  in der Beurteilung und Therapieentscheidung von Wirbelsäulentumoren ist daher die kernspintomographische Untersuchung (MRT), die ebenfalls für die Notfalldiagnostik 24 h zur Verfügung steht.

Das wichtigste Unterscheidungskriterium zur Klassifikation spinaler Tumoren ist, ob die Raumforderung innerhalb oder außerhalb des sogenannten Duralschlauches (intra- oder extradural) des Wirbelkanals liegt:

Intradurale Tumoren

  1. Intradural intramedulläre Tumoren
    Dabei handelt es sich um Tumoren, die im Rückenmark selbst lokalisiert sind. Sie machen etwa 10-15% aller Wirbelsäulentumoren aus. Man unterscheidet primäre und sekundäre Tumoren, bei den primären Tumoren handelt es sich hauptsächlich um gliale Tumoren, welche von Stützzellen des Nervengewebes ausgehen (Astrozytome, Ependymome). Sekundäre Tumoren sind Absiedelungen von Tumoren (Metastasen), welche im Rückenmark bevorzugt bei Lungen-, Brust- und Hauttumoren (Melanome) auftreten können.

    Die Behandlung dieser Tumoren ist häufig problematisch. Generell gilt aber, je früher diese entdeckt werden, d.h. je kleiner diese Tumoren sind, desto günstiger sind diese zu entfernen. Bestehen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits ausgeprägte neurologische Defizite ist die chirurgische Tumorresektion mit ausgeprägten neurologischen Risiken behaftet. Die Entscheidung zur Behandlung dieser Tumoren ist komplex und nur nach einer ausführlichen Beratung und Aufklärung des Patienten zu treffen.


  2. Intradural extramedulläre Tumoren
    Diese Tumoren wachsen zwar innerhalb der spinalen Hirnhaut, sie wachsen allerdings nicht im Rückenmark selbst, sondern verdrängen dies. Dabei handelt es sich in erster Linie um sogenannte Meningeome (Tumoren der Hirnhaut) und Neurinome. Auf Grund ihres in der Regel langsamen Wachstums bleiben diese Tumoren über lange Zeit symptomlos. Sie werden häufig erst nach Auftreten neurologischer Symptome entdeckt.

    Zur Veranschaulichung sind Bilder eines Patienten mit einem Meningeom zwischen dem  2. und 3. Halswirbel dargestellt. In den Aufnahmen der Kernspintomographie sieht man den Tumor (Bild 1), welcher das Rückenmark nahezu vollständig einengt. Nach der Operation (Bild 2) ist der Rückenmarkskanal wieder befreit.

    Diese Tumoren sind gegenüber dem Rückenmark gut abgegrenzt und können daher in den meisten Fällen mikrochirurgisch gut entfernt werden. Die Operation ist die Therapie der Wahl. Insbesondere bei großen Neurinomen kann es auf Grund des langsam verdrängenden Tumorwachstums zu Veränderungen des Wirbelknochens kommen, welche die Wirbelsäulenstabilität gefährden. In diesen seltenen Fällen ist gegebenenfalls neben der Tumorresektion eine Stabilisierung der Wirbelsäule erforderlich.


  3. Extradurale Tumoren
    Extradurale Tumoren sind die mit Abstand häufigsten Tumoren im Bereich der Wirbelsäule. Dabei handelt es sich in der Regel um Tumorabsiedlungen (Metastasen) insbesondere von Brust-, Prostata- und Bronchialkarzinomen.  Die Behandlung dieser Tumoren hat in den vergangenen Jahren einen immer höheren Stellenwert erlangt, da die Lebenserwartung der meisten Tumorerkrankungen durch Therapiefortschritte deutlich verlängert werden konnte.

    Oft sind starke Schmerzen (Rücken-, Nacken- oder Muskelschmerzen) die führenden Symptome. Erst bei großen Raumforderungen treten neurologische Ausfälle (Taubheitsgefühle, Verlust der Kraft) auf.

    Auf den Abbildungen sieht man die Metastase eines duktalen Mammakarzinoms (Brustkrebs), welche den 8. Brustwirbel der Patientin befallen hat und in den Spinalkanal einwächst (Bild 3). Nach der Operation ist ein Großteil des Tumors entfernt und die Wirbelsäule mit einem Stab-Schraubensystem stabilisiert, um einen Bruch der Wirbelkörper zu verhindern (Bild 4).

    Entscheidend für die Behandlung von Wirbelsäulenmetastasen ist, dass diese immer in das Gesamtkonzept der Behandlung eingebettet sein muss. Daher erfolgt eine Operation immer in Rücksprache mit den für das Krankheitsbild therapieführenden Ärzten und unter Berücksichtigung möglicher Therapiealternativen (z.B. Bestrahlung). Insbesondere steht die umfassende Aufklärung und Beratung des Patienten unter Berücksichtigung der Gesamtsituation seiner Erkrankung im Vordergrund!
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