Arteriovenöse Malformationen

Was ist eine Arteriovenöse Malformation (AVM)?
Arteriovenöse Malformationen (AVMs; auch durale arterio-venöse Fisteln genannt) sind in der Regel angeborene Fehlbildungen der Hirngefäße, bei denen ein krankhafter Kurzschluss zwischen Arterien und Venen ohne zwischengeschaltetes Kapillarbett besteht (AVM1).
Nur maximal 20% aller AVMs werden symptomatisch, das heißt sie werden in Folge einer Hirnblutung, eines Krampfanfalls oder auf Grund von ausgeprägten Kopfschmerzen entdeckt. Die Zahl der zufällig (inzidentell) entdeckten AVMs ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. 

Behandlung
Die Behandlung Arteriovenöser Malformationen ist von wenigen Ausnahmen abgesehen eine Elektivbehandlung, das bedeutet eine planbare Behandlung. Eine notfallmäßige Akutbehandlung ist nur bei einer lebensbedrohlichen Blutung angezeigt. 

Nicht rupturierte und zufällig entdeckte (inzidentelle) AVMs
Der Anteil inzidenteller AVMs stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Häufig werden diese beispielsweise im Rahmen der Abklärung von Kopfschmerzen oder Schwindel durch bildgebende Untersuchungen entdeckt. Ein sehr häufiges Erstsymptom (18-35%) einer AVM kann darüber hinaus ein Krampfanfall sein.
Nach Detektion einer nicht rupturierten AVM erfolgt zunächst eine umfangreiche diagnostische Abklärung. Dazu gehören in erster Linie modernste bildgebende Untersuchungen. Dabei kommt es darauf an eine solche Malformation genau zu analysieren. Diese Analyse erfolgt im Behandlungsteam zwischen Neurochirurgen, Neuroradiologen und Strahlentherapeuten. Gemeinsam kommt es dabei darauf an die Behandlungsrisiken gegenüber dem Risiko des sogenannt natürlichen Verlaufes gegenüberzustellen um für jeden individuellen Patienten das optimale Behandlungskonzept zu entwickeln. 

Rupturierte oder geblutete AVMs
Im Akutfall einer AVM-Blutung werden die betroffenen Patienten in der Regel notfallmäßig in unsere Klinik gebracht. AVMs sind für etwa ein Drittel aller Gehirnblutungen bei jungen Erwachsenen (3. und 4. Lebensdekade) verantwortlich. Auch im Akutfall einer Blutung gilt es zunächst die verantwortliche Gefäßmalformation durch bildgebende Diagnostik bestmöglich zu analysieren. Eine Akutbehandlung der Blutung erfolgt nur in einer lebensbedrohlichen, besonders kritischen Situation.
In der Regel streben wir eine Behandlung der blutungsursächlichen AVM im Intervall an. Dies bedeutet, daß wir nach der Akutphase der Blutung in der Regel zunächst eine Rehabilitationsbehandlung für unsere Patienten einleiten. Nach einer Reha, Resorption der Blutung und ggfs. günstiger Rückbildung neurologischer Symptome, meist nach 6-8 Wochen erfolgt die weitere Behandlungsplanung.

AVM-Operation
Die mikrochirurgische Resektion einer AVM ist in vielen Fällen die beste Behandlungsform. Durch die Komplexität des Eingriffes kommt dessen Planung besondere Bedeutung zu. Die Neurochirurgische Klinik der Universität Ulm ist an beiden Standorten (Günzburg und Ulm) technisch optimal für die Behandlung auch komplexer AVMs ausgestattet. In verschiedenen Weiterentwicklungskooperationen versuchen wir die Analyse und Planung von AVMs für die Behandlung weiter zu optimieren. 

Falldarstellung
Bild 1, links: 3D-Planung einer AVM rechts mit Darstellung der AVM (lila), der zuführenden Arterien (rot), abführenden Venen (blau) und der Bewegungsbahn des Gehirns (grün). 

Bild 1, rechts: Vergrößerung der engen Lagebeziehung zwischen AVM (lila) und Bewegungsbahn (grün). Darstellung einer Vene, die durch die Bewegungsbahn zieht.

Bild 2: Intraoperatives Bild einer AVM unter dem OP-Mikroskop mit im OP Mikroskop integrierter Fluoreszenz-Fluss-Darstellung (Rot: Gefäße mit schnellem Anströmen von Blut entsprechend dem AVM-Nidus und zuführenden Arterien).

Bild 1
Bild 2