Intensiv / Stroke Unit

Seit 1997 verfügt die Neurologie in Günzburg über eine auch im Krankenhausbedarfsplan des Freistaats Bayern ausgewiesene und von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft zuletzt 2012 rezertifizierte „überregionale Stroke Unit“ für die Landkreise Günzburg, Dillingen und Neu-Ulm. Wissenschaftliche Studien konnten nachweisen, dass die Versorgung von Schlaganfallpatienten in derartigen Spezialeinrichtungen sowohl mit einer geringeren Sterblichkeit in der Akutphase als auch mit einem besseren Langzeitergebnis hinsichtlich bleibender Behinderungen einhergeht.

In enger Zusammenarbeit mit der Neuroanästhesie, Neurochirurgie und Neuroradiologie sowie der Abteilung Gefäßchirurgie des benachbarten Kreiskrankenhauses bietet das Schlaganfallzentrum alle heute zur Verfügung stehenden diagnostischen und therapeutischen Verfahren zur Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Schlaganfällen an.

Vergleichbar der Behandlung von Herzinfarkten ist es heute gleichermaßen das Ziel auch der Therapie von akuten Hirninfarkten, das verursachende Blutgerinnsel zu entfernen. Dies ist allerdings nur in einem „Zeitfenster“ von maximal 4 ½ Stunden nach Beginn der Symptomatik möglich, danach ist das betroffene Hirngewebe meist nicht mehr zu retten. Dabei kommen zwei unterschiedliche Methoden zur Anwendung:

  • Die bereits seit mehr als 10 Jahren eingesetzte systemische Lysetherapie dient dazu, Blutgerinnsel in Hirnarterien durch ein in die Venen verabreichtes Medikament aufzulösen. Dieses Verfahren kann seit Jahren bei ca. 20% unserer Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall eingesetzt werden (Durchschnittswert der übrigen Kliniken in Bayern ca. 15%).
  • Als innovative Verfahren kommen kathetergestützte Interventionen bei Verschlüssen großer Hirngefäßen und/oder Kontraindikationen gegen eine systemische Lysetherapie zum Einsatz. Hierbei werden Blutgerinnsel über einen im Gefäß platzierten Katheter direkt mechanisch entfernt. Mit einer Interventionsrate von ca. 10% können wir auch diese innovative Therapie unseren Patienten wesentlich häufiger anbieten, als dies dem bayernweiten Durchschnitt entspricht (ca. 1,5%). 

Neben der Notfallversorgung von Hirninfarkten durch intravenöse Lysetherapie und neuroradiologische Interventionen lag der inhaltliche Schwerpunkt der Stroke Unit in den letzten Jahren im Ausbau des Labors für „Schluckdiagnostik“. Schluckstörungen betreffen bis zu 50% der Schlaganfallpatienten in der Akutphase. Als Komplikation solcher Schluckstörungen treten oft Lungenentzündungen auf, die den Behandlungserfolg der Grunderkrankung negativ beeinflussen. Bei rechtzeitiger Diagnosestellung einer Schluckstörung kann individuell eine spezielle „Schlucktherapie“ eingeleitet werden. Bei der endoskopischen Untersuchung des Rachens wird durch die Nase ein optisches Instrument (Nasopharyngoskop) unter lokaler Betäubung bis vor den Kehldeckel eingeführt. Neben der Ruhebeobachtung werden Schluckversuche mit halbfester bzw. fester Kost sowie Flüssigkeiten durchgeführt, wobei direkt eingesehen wird, ob Nahrung in die Luftröhre eindringt.

Die gemeinsame „Stroke Unit / Intensivstation“ verfügt neben 8 Betten zur kompetenten Versorgung von Schlaganfallpatienten (von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft zertifizierte „überregionale Stroke Unit“) über 3 Intensivbetten mit der Möglichkeit zur maschinellen Beatmung schwerstkranker neurologischer Patienten und 3 Intermediate Care Betten. Damit können sämtliche neurologische Krankheitsbilder jeden Schweregrades in der Neurologischen Klinik des BKH Günzburg kompetent versorgt werden. Zusammen mit der eigenen neurologischen Frührehabilitationsstation ist weiterhin die komplette medizinische Versorgung von Schlaganfallpatienten von der Akutphase bis zur Entlassung „unter einem Dach“ gewährleistet.