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Kunsttherapie
„... und es ist auch so, dass ich längst nicht mehr leben würde, wenn nicht in der schwersten Zeit meines Lebens, die ersten Malversuche mich getröstet und gerettet hätten.“
(Hermann Hesse)
„Die Welt der Realität hat ihre Grenzen, die Welt der Phantasie ist grenzenlos.“
(J.J. Rousseau)

Arbeit einer Patientin der Kunsttherapie. Acryl auf Holz (45 x 120)
In der Kunsttherapie werden mit Hilfe bildnerischer Gestaltungen innere Prozesse anschaubar und einer bewussten Verarbeitung zugänglich. Künstlerische und ästhetische Aspekte spielen dabei keine Rolle.
Die Kunsttherapie geht davon aus, dass persönliche Gestaltungen (Bilder, Plastiken, Collagen etc.) – ebenso wie Träume, Tagträume und freie Assoziationen – unbewusstes psychisches Material beinhalten, welches sich für eine psychotherapeutische Betrachtung eignet. Es geht um die Analyse und die Integration abgespaltener, unbewusster Ausdrucksformen und Motivationen. Zusätzlich zu den sprachlichen Mitteilungen werden dabei die Gestaltungen der Patienten in den therapeutischen Prozess miteinbezogen. Die Auseinandersetzung auf der bildnerischen Ebene bietet dem Patienten die Möglichkeit sich geschützt und angstfrei mitzuteilen und zu öffnen.
Ziel der gestalterischen Arbeit im therapeutischen Kontext ist die Öffnung eines Zugangs zu Intuition, Erfindungsgabe und Vorstellungskraft. Während der Gestaltung taucht der Patient in einen Bereich ein, der abweicht von gewohnten Denkmustern, von Konventionen und eingeschliffenem Verhalten. Diese Erfahrung hilft, die Dinge des Alltags neu wahrzunehmen und die ihnen zugrunde liegenden Strukturen und Möglichkeiten zu erkennen und neue Kombinationen zu entdecken. Darin eingeschlossen ist, dass durch die Freiheit der spielerischen phantasievollen Gestaltung nicht allein Freude und lohnende Betätigung empfunden werden, sondern auch die Fähigkeit zur Lösung persönlicher Konflikte und Probleme geweckt und damit die Lebenspraxis und die Autonomie des Patienten gefördert werden.
Thomas Nagel, Analytischer Kunsttherapeut
(
e-mail: Thomas.Nagel@bkh-guenzburg.de)
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letzte Aktualisierung: 03.02.2010