LUI

Patientenberichte

Frau M.:

Gegen Ende des 1. Semesters meines BWL-Studiums begannen Seminare und Vorlesungen mich zunehmend zu irritieren. Ich kam nur schwer mit den anderen Studenten in Kontakt und vermied Referate und Gruppenprojekte. Die Prüfungen überforderten mich zudem stark. Danach machte ich ein Praktikum im Ausland, zu Beginn verlief dieses auch ganz gut. Mit der Zeit fühlte ich mich jedoch nervös und angespannt und konnte nicht mehr richtig schlafen. Ich hatte mit vielen Menschen zu tun, musste vielen Anforderungen gerecht werden und schaffte dies einfach nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich auch sehr empfindlich gegenüber Lärm und Licht. Ich hatte ein immer größeres Bedürfnis, Zuhause zu bleiben und für mich zu sein. Wenn ich draußen unterwegs war, fühlte ich die Blicke anderer Menschen auf mir. Ich glaubte, sie würden schlecht über mich reden. In meiner Wohnung hörte ich neue Geräusche, und ich vernahm Stimmen, die über mich schimpften und mich beleidigten. Ich war der Überzeugung ausspioniert und verfolgt zu werden. Ich hatte Angst, manchmal auch sehr heftige Angst. Ich brach meinen Auslandsaufenthalt daher sehr plötzlich ab, und kehrte nach Deutschland zurück.

Meine Familie erkannte mich nicht wieder, sie meinten, ich hätte mich verändert. Sie brachten mich in die Psychiatrie. An die erste Zeit erinnere ich mich nur vage. Nach und nach ging es mir jedoch besser. Ich sprach viel mit den Ärzten, Psychologen und Pflegern, fühlte mich aufgefangen und verstanden. Ich sprach nach und nach auch immer mehr mit den Mitpatienten, fand Gemeinsamkeiten und fühlte mich nicht mehr wie ein „Alien“. Die Medikamente, die ich zunächst ablehnte, da ich große Angst vor ihnen hatte, halfen mir ebenso. Mein Denken wurde wieder klarer, ich war aufmerksamer und konzentrierter. Auch die Ängste wurden weniger. Ich erarbeitete mir mit der Unterstützung des Teams eine Erklärung für meine Erkrankung und Bewältigungsstrategien, um wieder gesund zu werden. Ich machte in der Psychiatrie beispielsweise wieder regelmäßig Sport und hatte viel Spaß an der Kunsttherapie. Ich bekam auch Unterstützung vom Sozialdienst, wir erarbeiteten ein Konzept, wie es nach dem Klinikaufenthalt mit dem Studium weitergehen könne.

Aktuell studiere ich wieder. Es ist nicht immer ganz leicht, aber ich halte feste Pausen und Ruhezeiten ein und mache in meiner Freizeit weiterhin Sport. Ich gehe auch regelmäßig zu meinen ambulanten Terminen in die Psychiatrie, spreche hier über mein Befinden und meine Medikation. Dies gibt mir weiterhin Sicherheit und Stabilität.

Herr T.:

Bevor ich in die Klinik kam, ging es mir über ein Jahr nicht mehr gut. Ich war reizbar und misstrauisch, verdächtigte irgendwann meine Arbeitskollegen, etwas gegen mich zu haben, da ich in ihren Worten und Taten bestimmte Zeichen vernahm. Auch kleinste Veränderungen in meiner Umgebung hatten für mich eine besondere Bedeutung. Ich war irgendwann der festen Überzeugung, von etwas geprüft zu werden. Selbst meine eigenen Gedanken kamen mir fremd vor und ich glaubte von außen beeinflusst zu werden. Zu meiner Umwelt verlor ich immer mehr den Kontakt. Ich hatte das Gefühl, dass mich keiner mehr versteht und konnte niemandem mehr vertrauen; nicht einmal mehr meiner Freundin. Ich konnte nicht mehr richtig denken. Ich war voll wirrer Gedanken, konnte diese nicht mehr ordnen oder greifen.

Mein Hausarzt riet mir in die Klinik zu gehen. Medikamente halfen mir wieder klar zu denken. Ich konnte mich wieder auf das Wesentliche konzentrieren und Unwichtiges beiseiteschieben. Durch die Gespräche mit dem Personal erfuhr ich, dass meine Symptome Anzeichen einer Psychose sind. Ich achte nun auf Frühwarnzeichen, reagiere rechtzeitig und habe hierdurch gelernt gut mit meiner Erkrankung zu leben.

 

Einer unserer Patienten hat bei einem eindrücklichen Artikel berichtet, welchen Sie HIER lesen können.